Konzertberichte
Plattenkritiken
Tpunkterror
Ratingen - Lux
24.04.2004
Tanzstunde für die Freiheit
“Wir werden losziehen und niemals aufhören für das Gute einzustehen,
und wenn der Himmel brennt, die Erde weint, ... wir werden Helden sein.”
Es brennt doch gar nicht. Vor dem Jugendzentrum Lux in Ratingen spielen ein
paar Punks Fußball, drinnen ist man noch mit dem Aufbau beschäftigt.
Kulturscheu, TPUNKTTERROR und DER DICKE POLIZIST wollen erst in den nächsten
Stunden für erhöhte Phonzahlen sorgen. Da stürmen Polizei und
Feuerwehr in die Idylle am alten Stadtturm. Die Hookline von TPUNKTTERROR "Komm
lass uns Helden sein für diesen Tag und für diese Nacht" auf
die Fahnen geschrieben, befreit die Ratinger Feuerwehr in einer spektakulären
Aktion ein hilfloses Fahrrad, das im Fahrradständer vor dem Lux gefangen
war, aus seinen Ketten. Der Einsatz zaubert ein Lächeln auf die Lippen
aller Anwesenden: die Feuerwehr als Opener für ein Konzert mit dem Headliner
DER DICKE POLIZIST. Das gefällt sogar Mucki, obwohl dem TPUNKT-Sänger
eigentlich jede staatliche Sicherheit suspekt ist.
Im Lux eröffnen derweil KULTURSCHEU den Abend, das Ratinger Publikum erweist
sich als tanzscheu. Werden TPUNKTTERROR (sprich: Tee-Punkt-Error), die hier
noch nie gespielt haben, das Eis brechen können?
"All diejenigen, die mich jetzt hören können, rufe ich zu...
sprengt Eure Ketten,... gegen die Maschinenmenschen..., nieder mit dem Hass
und der Intoleranz! Dafür lasst uns kämpfen." Die Rede Charlie
Chaplins aus dem "Großen Diktator" dringt durch die stickige
Luft im Lux. Gitarren- und Trommelgewitter und: "Rock!" Sekunden später
tut sich der Moshpit zwischen Bühne und Zuschauern auf, Menschen tanzen
und es ist klar, dass die Erwartungen von der CD gehalten werden. "Ich
kämpfe dafür" ist live direkter, noch mehr auf den Punkt gebracht,
und wenn Mucki "ich will alles geben" singt, zweifelt man bei diesem
offensichtlichem Einsatz keinen Moment an seiner Wut, seinen Überzeugungen
und seiner Energie. Die Band hat bei allem Brachialsound verflixte Breaks und
Rhythmusvariationen drauf. Wahre Soundwellen aus Punk und Hardcore ergießen
von der Bühne auf das Publikum – und die Bandmitglieder springen
munter hinterher.
Inzwischen ruft Mucki nach einem Kasten Wasser. Nicht als Alternative zum Bier
- Fixierung der Bassdrum, die Zwickie mit aller Gewalt von der Bühne zu
trommeln droht. Super, jetzt kann Rurse mit seiner Gitarre vom Kasten aus auf
das Schlagzeug klettern, der Weg nach oben wird nur noch von der Saaldecke gestoppt.
Warum sitzt das nette Mädchen da ganz alleine in der Ecke auf dem Boden?
Bassist Snow, auf der Suche nach dem direkten Kontakt zum Publikum öfters
vor als auf der Bühne, setzt sich freundlich lächelnd daneben, seine
Bassline hämmert mit unverminderter Wucht aus den Boxen. Einer der Punks
verläßt den Pogobereich. Tanzen ist gut, aber die Freundin da alleine
auf dem Boden sitzen zu lassen ist auch nicht lieb. Na, wenn das geklärt
ist, kann Snow ja zurück auf die Bühne. Dort wurde er auch schon vermisst.
Mucki stimmt gerade als einziges Cover des Gigs ein chilenisches Revolutionslied
über das vereinigte Volk in der Textfassung von Hannes Wader an. Der charismatische
Sänger, der Endzeit-Science Fiction und expressionistische Stummfilme liebt,
setzt immer wieder mit gehaltvollen politischen Texte, starken Bildern und ganz
persönliche Momenten gegen die Brandung, die ihn musikalisch umgibt. Tpunkterror
sind laut, schnell und hart, aber nicht vordergründig plakativ. Und so
surfen die Worte vom Kampf um die Freiheit, vom Frust über die täglichen
Talkshows, aber auch von der Verklärung unvergesslicher Momente geschickt
über die gefährlich wogenden Wellen entfesselter Hardcoregewalten.
Aber noch haben TPUNKTTERROR nicht alle Register gezogen: Mucki fragt nach Blockflötenunterricht
und Erfahrungen aus der musikalischen Früherziehung. Für "Nur
ein Mensch" ist nämlich Pogen im 6/8-Takt erforderlich. Zum Üben
spielen die Musiker zum Walzer auf, der Moshpit als Ballsaal. Tatsächlich
finden sich ein paar Pärchen, die zur Tanzstunde antreten. Zur Belohnung
gibt es dann die eingängigen Stücke. "Helden", den als Schmusetitel
bezeichneten Hochgeschwindigkeitskracher "Truckersong" und natürlich
die Hymne "Solche Nächte sollten nie zu Ende gehen" zum Abschluss.
Im Saal geht sogar der Sauerstoff zu Ende, bei uns macht inzwischen der Kreislauf
schlapp. Aber für die Show hat es sich gelohnt.
Während im überhitzten Saal DER DICKE POLIZIST dem Publikum die letzten
Schweisstropfen aus den Poren treibt, herrscht am Merchandisingstand von TPUNKTTERROR
reges Treiben. Nach einigen kleinen Sommerfestivals (muß toll sein: TPUNKTTERROR
mit Sauerstoffzufuhr für ungehinderte Energieschübe) ist für
den Herbst eine weitere Tour durch die Republik geplant. Die Termine und Orte,
an denen Mucki, Snow, Co, Rurse und Zwickie demnächst herumtoben werden,
findet ihr hier im Konzertkalnder und unter www.tpunkterror.de.
Bericht: Bat-Tina
Konzi-Tip
Tpunkterror - So fest ich nur kann (Antifaein / 2004)
1997 fand sich
das Trio noch ohne Bass und auch ohne Sänger zusammen um Musik zu machen.
Sie machten Musik um die Menge zum Toben zu bringen, aber irgendwie fehlte noch
etwas um die Zukunft der Band zu sichern, so dass es nach ihrer ersten CD dazu
kam, dass noch ein Bassist einstieg. Bis 2001 hatten sie dann das Line Up komplett
und spielten ihr erstes richtiges Album ein.
Heute ist es wieder soweit und die Arbeit des Jahres 2003 trägt nun Früchte
für Tpunkterror.
Musikalisch kann man die fünf Jungs aus der Eiffel zwischen Terrorgruppe
und Wizo einordnen, wobei Tpunkterror ihre Texte wesentlich indirekter gestalten
und viel Ironie nutzen um ihren Aussagen zum Publikum zu bringen. Die Musik
selbst klingt rockiger als der typische Deutschpunk und passt zum Gesamtbild.
Während man im ersten Song, ‚Kämpf dafür’, noch dazu
auffordert wird im Leben alles zu geben und zu kämpfen, wird in ‚Dies
ist das Land’ die Misere beschrieben, welche in unserem Land herrscht.
Es wird niemand direkt angegriffen, aber die Aussagen sind klar formuliert und
richten sich an alle. Dann kommt mit dem dritten Track auch schon das klarste
Werk des Albums. ‚Die Freiheit’ passt nicht nur auf deutsche, sondern
vor allem auf amerikanische Verhältnisse, wo Rechte gegen Sicherheit eingetauscht
werden. Jeder Song des Albums hat seine eigene Geschichte zu erzählen,
aber leider geht das Album nach zwölf Songs zu Ende und es bleibt der Eindruck
des Songs ‚Trauriges Lied’ zurück. Das Lied blickt in die Zukunft
und die Vergangenheit, wobei die Zukunft sehr negativ projiziert wird, was aber
leider sehr realistisch klingt. Zum Ende bekommt man noch einen Zusammenschnitt
der Rede aus Charlie Chaplins „Der große Diktator“, die das
Album noch mal in Kurzform rekapituliert.
Überraschend ist alles was man zu diesem Album sagen kann. Man sollte,
wenn man Wizo und Co gerne hört, auch dieses Album einmal anspielen. (winfried)
Evil
Rocks Hard
Tpunkterror – So Fest Ich Nur Kann
Wortgewand und mit einer ordentlichen Portion beißendem Humor legen Tpunkterror ihre Finger auf die, für eine waschechte Punkband programmatische Gesellschaftskritik. Doch statt mit tumben Aggro-Parolen reagieren die rasenden "Eifel-Elche" mit einer geballten Ladung Spaß, die zwar keines der vorgetragenen Probleme wirklich löst, sie aber um einiges erträglicher macht.
Die Männer
von Tpunkterror haben in ihrer Jugend sicherlich Unmengen von Tote Hosen-Musik
konsumiert und nur kurze Zeit später eigenhändig die Jugendheime sämtlicher,
benachbarter Dorfgemeinden vertrimmt. Mit allerhand Feuer unter dem Hintern
eifern die Fünf aus den beschaulichen Eifelwäldern ihren Vorbildern
aus der rheinischen Landeshauptstadt nach, und nicht nur das: Sie stehen ihnen
in Sachen Dynamik und Druck sogar in nichts nach. Das musikalische Ergebnis
ist eine stark "live-haftige" Tonkonserve, die bereits ahnen lässt,
dass die Konzertabende mit den rockenden Krachbolzen eine recht lebhafte Angelegenheit
sind.
Ein "goldenes Händchen" für unwiderstehliche Hit-Melodien
beweisen Tpunkterror allerdings noch nicht. Und auch die zweistimmigen Gesangparts
dürften ruhig noch mal überarbeitet- oder gleich ganz gestrichen werden,
zumal mit Frontmann "Mucki" ein recht charismatisches Organ zur Verfügung
steht, das man -wenn überhaupt- schon adäquat ergänzen sollte.
Aus der ganzen Reihe sehr ordentlicher- aber auch etwas uniformer Punk-Rock-Songs,
schälen sich dann nach mehrmaligem Hören sogar noch ein paar heraus,
die nachhaltiger im Gedächtnis haften bleiben. Das poppige "Ich und
die Welt" etwa, welches mit trotzig-jugendlichem Charme und vertrauter
Hookline jede Abi-Feier auf Vordermann bringt, oder auch das speedige "Der
kleine Gedanke", welches mit Tempo geladenem Schwung und total schräger
Story in die müden Gebeine fährt. Überhaupt: "So fest ich
nur kann" wird nach hinten raus eher stärker, zumindest wenn man mit
dieser Art von Party-Punk etwas anfangen kann.
So kann man sich durchaus vorstellen, dass man in absehbarer Zeit nochmal etwas
von den Eifel-Rockern zu hören bekommt. Die Ideen sind da, die notwendige
Portion Mut auch, und die genannten Kritikpunkte stellen ebenfalls keine unüberwindbare
Hürde dar. Warum also sollte die nächste Scheibe nicht den Titel:
"So gut ich nur kann" tragen? (wisch)
Virtual Rock
TPUNKTERROR – So Fest Ich Nur Kann (CD 2004)
Bis weit in die
90er Jahre hinein habe ich die deutsche Punkszene recht interessiert verfolgt,
dann irgendwann gingen die neueren Bands ein wenig an mir vorbei und ich hörte
nur noch die alten Helden. Da sind dann auch die 1997 gegründeten TPUNKTERROR
komplett an mir vorbei gegangen, bis auf den Bandnamen waren die Musiker aus
der ländlichen Eifel mir kein Begriff. Schade eigentlich, denn wenn ich
die Gruppe schon früher gekannt hätte, hätte ich sie sicher einige
Mal live gesehen, was garantiert großen Spaß macht. Nun habe ich
das neue Album „So fest Ich Nur Kann“ bekommen und muss zugeben,
dass es sich hier um eine solide, kraftvolle deutschsprachige Punk-Rock-Band
handelt. Das erste Wort im ersten Song ist „Rock!“ und gibt gleich
die Richtung vor, die den Hörer knapp 45 Minuten erwartet. Druckvoll produziert
rockt die Band alles weg, was sich in den Weg stellt, dazu kämpferische
Texte mit den üblichen Themen, ohne jedoch in hohles Phrasengedresche zu
verfallen. Dementsprechend ist es eher „deutscher Pun-Rock“, als
„Deutsch-Punk“. Musikalisch irgendwo typisch 90er, so zwischen Anfall,
Exil, Aufbruch, Fuckin´ Faces und so weiter. Ihre Instrumente beherrscht
die Band, was durch die gute Produktion auch sehr gut rüber kommt, vielleicht
ist die Produktion sogar zu perfekt, ein paar mehr Ecken und Kanten und etwas
mehr Rohheit hätten ruhig noch sein können. Ein paar Gitarrensoli
halte ich persönlich auch für überflüssig, aber das ist
natürlich Geschmackssache. Die Texte sind gut, behandeln Themen wie Freiheit,
Unabhängigkeit, unsern „schönen“ Staat und was sonst so
anliegt, aber halt gut formuliert, statt einfach nur „Bullen Raus“
oder „Scheiß Deutschland“ zu grölen. Das dabei um des
Reimes willen Textzeilen wie „Ich bin nur ein Mensch aus Fleisch und Blut,
ganz egal wie´s für Dich aussehen tut“ herauskommen ist verzeihlich.
Einen Ohrwurm, den man nach dem ersten Anhören nie wieder vergisst, gibt
es zwar nicht , dafür allerdings auch keinen Ausfall. Das ganze Album ist
gut in einem Rutsch zu hören und macht viel Spaß. Etwas herausstechen
tut der mit Bläsern wundervoll ergänzte Song „Meine Gute Laune“,
der auf Konzerten sicher die absolute Pogo-Granate sein dürfte, wie ich
sowieso annehme, das Konzerte von TPUNKTERROR ausgesprochen unterhaltsame Partys
sind. Etwas zu unauffällig ist das Cover der CD geworden, es sticht aus
der Masse der (meist schlechteren) Punk-Rock-Veröffentlichungen im Ladenregal
oder in der Kiste bei Konzertverkäufern kaum heraus. Was zählt ist
aber natürlich die Musik, und daran gibt es nun wirklich kaum was zu bemängeln.
Lupenreiner, druckvoller Punk-Rock, was will man mehr? (A.P.)
Back Again
Tpunkterror - So fest ich kann
Lagerpunk aus dem Auge des Hurricans
Mucki steht im Auge des Hurricans. Dort ist es ruhig genug, um kämpferische,
trotzige, aber auch herrlich verquere Texte zu singen. Wie der vom kleinen Gedanken,
der irgendwann in seinem Kopf eingezogen ist, dort den Koffer abstellte, höflich
fragte, ob er störe und dann langsam aber sicher alle anderen Gedanken
vertrieb. Bis Mucki durchgriff und ihn vor die Tür seines Gehirns gesetzt
hat. Oder das warnende „Die Freiheit stirbt mit Sicherheit ganz sicher
Stück für Stück, und wenn es hier ganz sicher ist, kehrt sie
nie mehr zurück“, gereimt und zweistimmig gesungen als präsentiere
es sich schon mal als mögliche Coverversion für eine Mittelalterrockband.
Aber wie gesagt, Mucki steht im Auge des Hurricans: um ihn herum toben die beiden
Gitarren von Rurse und co, Zwickies Trommeln und der Bass von Snow mit Stärke
10. Da wird um die fast poppigen Melodien so gnadenlos abgerockt, dass es nur
so kracht. Im Chaos mischt sich Punk mit Hardcore und man fragt sich, ob die
Zukunft nicht vielleicht im Metalpunk liegt.
Tja – im Namen Tpunkterror steckt auch Punk und Terror, aber: das korrekte
Spelling lautet T-Punkt-Error, hier ist wieder diese Ironie, mit der man wohl
nur noch dem Ernst der Lage begegnen kann, gewonnen aus der Erfahrung des täglichen
Lebens (Wer von Euch hat im letzten Jahr auf einen neuen Telefonanschluss gewartet,
oder musste etwas ummelden?) Und so gibt es weitere kleine, persönliche
Momente zwischen all den kämpferischen Titeln: „Solche Nächte“,
eine richtige Mitsinghymne auf Provinzparties mit dem Mondaufgang am frühen
Morgen vom Balkon aus sollte bei keiner größeren privaten Fete mehr
fehlen – es sei denn, kommt aus Berlin.
„So fest ich kann“ ist Titel und Motto dieses 2. Longplayers der
Eifeler Punks, die auch auf Liveerfahrung von über 80 Konzerten, u.a. mit
Not Available und den Heideroosjes zurückblicken können. Vertrieben
wird die CD direkt von jazzstrike@gmx.de, www.finestnoise.de und demnächst
auch über www.punk-shop.com und anderen Mailordern, die noch auf www.tpunkterror.de
bekannt gegeben werden.
Konzi-Tip